Fachkräftemangel – eine Geschichte der Politik und der Lobbyisten?
In Deutschland hört man schon seit einiger Zeit immer wieder von Unternehmen und Wirtschaft die Worte „Wir finden keine Fachkräfte mehr“. Jedoch wird diese Geschichte nur von der Politik und den Lobbyisten so dramatisch dargestellt und von einigen Unternehmen nach außen getragen. In den meisten Betrieben sieht es jedoch anders aus. Der Fachkräftemangel ist zwar real, jedoch nicht so wie dargestellt wird. Denn laut „Fachkräfteengpassanalyse“ der Agentur für Arbeit findet man die erstaunliche Info, das aktuell nach der Analyse der Bundesagentur für Arbeit kein flächendeckender Fachkräftemangel herrscht. Es wird lediglich festgestellt, dass es in manchen Regionen in Deutschland schwierig ist „gute Arbeitskräfte“ zu finden. Jedoch weiß man schon seit vielen Jahren, dass es schwieriger ist die bevölkerungsärmeren Regionen mit Fachkräften abzudecken. Dies ist allerdings in Ballungsgebieten und größeren Städten nicht der Fall. Laut weiteren Informationen der Agentur für Arbeit kommen da auf 100 gemeldeten offenen Stellen circa 170 Arbeitslose Experten.
Ob dies schon ein dramatischer Fachkräftemangel ist, würde ich infrage stellen. Da geben sich eher Lobbyisten und die Politik große Mühe diesen Fachkräftemangel zu prognostizieren.
Und ALLE machen mit!
Es gibt durchaus einen realen Fachkräftemangel, allerdings betrifft es Berufe die keine große Lobby hinter sich haben. Die Berufsbereiche Technik, Gesundheit und Pflege sowie die öffentliche Verwaltung und das Handwerk sind aktuell davon betroffen. Gerade in der Pflegebranche, wo es die gravierendsten Engpässe gibt, hat die Politik es versäumt rechtzeitig darauf zu reagieren.
Da die Gesellschaft immer älter und Menschen immer häufiger auf Pflege angewiesen sind, wird der Job einer Pflegekraft immer härter. Zudem kommt dazu, dass auf Kostendruck in der Branche auch noch an den Gehältern der so dringend benötigten „Fachkräfte“ gespart wird. Laut aktuellen Studien verdienen Pflegekräfte im Schnitt etwa 2000 – 2200 € Brutto. Wie soll man mit diesem Gehalt eine Familie gründen und ein vernünftiges Leben führen? Es wird dringend Zeit diese unsere Fachkräfte für ihren schweren und aufopfernden Job entsprechend zu entlohnen. Wenn dies nicht bald passiert, wird diese Entwicklung dramatische Züge annehmen.
Das Bundesministerium für Gesundheit hat ermittelt, dass im Pflegebereich die offenen Stellen, jetzt schon, erst nach circa 140 Tagen besetzt werden. Vor allem stehen 100 offenen Stellen lediglich 80 Bewerber gegenüber. Das ist realer Fachkräftemangel, der sich in Zukunft verschlimmern wird. Solange Politik und Wirtschaft nicht dafür sorgen, dass diese Fachkräfte Leistungsgerecht bezahlt werden, wird die Jugend in Zukunft eine Ausbildung in Pflegeberufen nicht wählen.
Um zukünftig noch größeren Engpässen bei den Fachkräften entgegenzuwirken „muss Politik und Wirtschaft“ und „sollte die Gesellschaft“ so bald wie möglich an mehreren Stellschrauben drehen.
Beispiel:
- Bildungslücken bei Niedrig qualifizierten muss verbessert werden.
- Den Ausbildungsstand verbessern.
- Erwerbsbeteiligung aufrechterhalten durch verstärkte Beschäftigung der älteren Fachkräfte, die heute leider Hartz 4 beziehen müssen, anstatt von der Wirtschaft eingesetzt zu werden.
- Eine geringere Fixierung der Betriebe auf formale Qualifikationen, dafür mit effektiver Fort und Weiterbildung zum gewünschten Erfolg gelangen.
- Verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Damit vor allem Frauen wieder verstärkt zu einer Vollzeitbeschäftigung kommen.
- Fachkräfte entsprechend entlohnen, damit ein vernünftiges Leben möglich ist.
- Keine befristeten Arbeitsverträge bei Neueinstellungen mehr.
Zudem wird auch der demografische Wandel für die Betriebe mehrere Rahmenbedingungen verändern. Die Anzahl der Personen im erwerbsfähigen Alter wird immer mehr abnehmen und gleichzeitig wird der Anteil der älteren steigen. Dies wird die Betriebe vor neue Herausforderungen stellen, wie zum Beispiel die Gestaltung von Altersgerechten Arbeitsbedingungen für die Fachkräfte ab 50. Deutschlands Betriebe sollten schon mal anfangen sich darauf einzustellen und jetzt schon die älteren Fachkräfte an die Betriebe binden.
Der Fachkräftemangel ist eine höchst politische Debatte der Gegenwart und der Zukunft. Es wird spannend sein was sich Politik und Wirtschaft einfallen lassen, um das schlimmste zu verhindern. Lassen wir uns überraschen und hoffen wir, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden, bevor es zu spät ist.
Fachkräfte werden hierzulande mit Hilfe der Politik (Hartz4) zu billigen Arbeitskräften gemacht. Habe ich auch schon des öfteren von älteren Fachkräften die Hartz4 beziehen müssen gehört. Ist wohl beim Jobcenter die vorgegebene Marschrichtung.